China treibt mit dem Konzept des Three-Body-Computing eine Vision voran, die Science-Fiction und Geopolitik verbindet: Rechenzentren im Orbit, verbunden durch ein Netzwerk von bis zu 2800 Satelliten bis 2030. Was als technologische Innovation präsentiert wird, hat tiefgreifende Implikationen für die digitale Souveränität Europas. Denn Daten, die über chinesische Orbital-Infrastruktur geroutet werden, unterliegen potenziell chinesischem Recht – unabhängig davon, wo sie ihren Ursprung haben.
Three-Body-Computing: Die technische Vision
Das Konzept sieht eine Dreistufenarchitektur vor: terrestrische Rechenzentren für die Massenverarbeitung, Edge-Knoten auf Satellitenplattformen für latenzarme Verarbeitung und eine orbitale Cloud-Schicht für globale Vernetzung. Die technischen Herausforderungen sind enorm – Hitzeableitung im Vakuum, Datenübertragungsraten und Wartung im All. Doch Chinas staatlich gelenkte Raumfahrtindustrie hat wiederholt gezeigt, dass ambitionierte Zeitpläne ernst genommen werden müssen.
Geopolitische Risiken für Europa
Die geopolitische Dimension geht über Datenschutz hinaus. Eine orbitale Cloud-Infrastruktur schafft neue Abhängigkeiten in Bereichen wie Telekommunikation, Navigation und Erdbeobachtung. Wenn europäische Unternehmen oder Regierungen diese Infrastruktur nutzen – sei es direkt oder über Drittanbieter – entstehen Verwundbarkeiten, die in Krisenzeiten ausgenutzt werden könnten. Europas Antwort muss eine Stärkung eigener Raumfahrt- und Satellitenkapazitäten sein, bevor die orbitale Infrastruktur zum nächsten Feld strategischer Abhängigkeit wird.