Digital Health 3. Januar 2026 9 Min. Lesezeit

IT im Gesundheitswesen – 5 Wahrheiten

Von der Verwechslung von EMR und EHR bis zur KI-Regulierungslücke zwischen FDA und EU – fünf unbequeme Wahrheiten über den Stand der Healthcare-IT in Deutschland.

IT im Gesundheitswesen – 5 Wahrheiten

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens wird in Deutschland seit Jahren beschworen, doch der tatsächliche Fortschritt bleibt hinter den Erwartungen zurück. Begriffe werden unpräzise verwendet, Standards koexistieren in verschiedenen Generationen, und regulatorische Rahmenbedingungen erzeugen ebenso viel Verwirrung wie Orientierung. Fünf grundlegende Wahrheiten helfen, die Lage nüchtern einzuschätzen.

EMR versus EHR – und warum der Unterschied zählt

In der deutschen Diskussion werden Electronic Medical Records (EMR) und Electronic Health Records (EHR) häufig synonym verwendet. Der Unterschied ist jedoch substanziell: EMR sind digitale Versionen der Krankenakte innerhalb einer Einrichtung, EHR dagegen einrichtungsübergreifende Gesundheitsakten, die den Patienten durch das gesamte Versorgungssystem begleiten. Deutschlands elektronische Patientenakte (ePA) zielt auf den EHR-Ansatz, doch in der Praxis dominieren weiterhin Insellösungen auf EMR-Niveau. Solange diese konzeptionelle Kluft nicht geschlossen wird, bleibt die integrierte Versorgung ein Versprechen auf Papier.

HL7 V2, FHIR und die Interoperabilitätslücke

Der Datenaustausch zwischen klinischen Systemen basiert in vielen deutschen Kliniken noch auf HL7 V2 – einem Standard aus den späten 1980er Jahren. Der moderne Nachfolger FHIR bietet REST-basierte APIs, strukturierte Ressourcen und deutlich bessere Eignung für mobile und KI-gestützte Anwendungen. Die Migration von V2 auf FHIR ist jedoch keine einfache Software-Aktualisierung, sondern ein architektureller Umbau, der Altschnittstellen, Datenmodelle und Workflows gleichzeitig betrifft. Hinzu kommt: Auch FHIR allein garantiert keine Interoperabilität, solange Implementierungsleitfäden und Terminologien nicht vereinheitlicht sind.

KHZG-Sanktionen, TI-Messenger und KI-Regulierung

Das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) hat milliardenschwere Investitionen angestoßen, doch die angekündigten Sanktionen für Nichtdigitalisierung erzeugen Unsicherheit über den Zeitrahmen und die Durchsetzungsmechanismen. Der TI-Messenger soll die sichere Kommunikation im Gesundheitswesen gewährleisten, kämpft aber mit Akzeptanzproblemen und technischen Hürden. Bei der KI-Regulierung zeigt sich ein transatlantisches Gefälle: Während die FDA über pragmatische Zulassungspfade für KI-Medizinprodukte verfügt, navigiert die EU zwischen AI Act und MDR in einem Regulierungsgeflecht, das Innovatoren verunsichert. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob Europa einen eigenen gangbaren Weg findet oder im regulatorischen Dilemma verharrt.

© 2026 Olaf Dunkel. Eigenständige Analyse; KI-Unterstützung rein sprachlich.

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