Die Idee ist bestechend: Bürger sollen ihre Daten nur einmal angeben müssen, und Behörden tauschen die benötigten Informationen untereinander aus. Die Nationale Once-Only-Technical-System-Infrastruktur – kurz NOOTS – soll diese Vision technisch umsetzen, indem sie die zersplitterten Register von Bund, Ländern und Kommunen miteinander verknüpft. Was auf dem Papier nach einer logischen Modernisierung klingt, erweist sich in der Praxis als eines der anspruchsvollsten IT-Projekte der deutschen Verwaltungsgeschichte.
Register-Verknüpfung als Mammutaufgabe
Deutschland verfügt über hunderte spezialisierte Register – vom Melderegister über Handelsregister bis zum Fahrzeugregister. Jedes folgt eigenen Datenmodellen, Zugriffsregeln und technischen Standards. NOOTS muss diese heterogene Landschaft über einheitliche Schnittstellen zugänglich machen, ohne die Datensouveränität der einzelnen Registerstellen zu untergraben. Das erfordert nicht nur technische Standardisierung, sondern auch rechtliche Vereinbarungen zwischen allen föderalen Ebenen.
OZG-Verzögerungen als Warnsignal
Die Erfahrungen mit dem Onlinezugangsgesetz stimmen nicht optimistisch. Auch dort waren die Ziele klar, die Fristen gesetzt und die politische Unterstützung vorhanden – und dennoch wurde die Umsetzung mehrfach verzögert. NOOTS ist technisch und organisatorisch noch ambitionierter. Ohne eine realistische Projektplanung, ausreichende Ressourcen und die Bereitschaft, pragmatische Zwischenlösungen zu akzeptieren, droht ein ähnliches Schicksal. Die Daten-Autobahn wäre dann eher ein Feldweg mit Schlaglöchern.